
Auf unserer Obstwiese steht ein alter Baum, äußerlich schon etwas „mitgenommen“, ökologisch aber ein Schatz: Altholz ist einer der lebendigsten Lebensräume, die wir kennen. In der rissigen Rinde
und im weicher werdenden Holz finden zahlreiche Insekten Unterschlupf, nutzen das Holz als Nistplatz oder Nahrungsquelle. Dazu gehören auch Wildbienen und Schlupfwespen, die winzige Löcher in den
Stamm nagen oder vorhandene Spalten als Brutröhren nutzen.
In diese kleinen Gänge legen sie ihre Eier und versorgen die entstehenden Larven mit einem Vorrat aus Pollen oder anderen Insekten. Später sind genau diese Larven eine wichtige Eiweißquelle für
Vögel wie Spechte, Kleiber und Meisen, die den Stamm sorgfältig absuchen oder Höhlen in das weichere Holz schlagen. So werden aus einem scheinbar „nutzlosen“ alten Baum ein reich gedeckter Tisch
und ein mehrjähriges Mehrfamilienhaus für unzählige Tiere. Ein guter Grund, das tote Gehölz auf unserer Obstwiese nicht zu fällen, sondern einfach stehen zu lassen.